Bild der alten Stromburg von der Straße aus im Sommer 2023

Informationen rund um die “Alte Stromburg”

Die “Alte Burg zu Strom­berg” wur­de erst­mals 1353 von Pfalz­graf Ruprecht I. erwähnt und stammt unver­än­dert aus der Zeit der Sali­er (11./12. Jh.).

Burganlage

Die “Alte Strom­burg” ist eine mit­tel­al­ter­li­che Burg­an­la­ge des 11. und 12. Jahr­hun­derts, die – zuvor völ­lig unbe­kannt –  in den 1980er Jah­ren von der archäo­lo­gi­schen Denk­mal­pfle­ge Mainz aus­ge­gra­ben wur­de. Sie ist die Strom­burg, die in den Urkun­den die­ser Zeit genannt wird, und Vor­gän­ge­rin der Strom­burg auf dem gegen­über­lie­gen­den Schloß­berg, die auch als ehe­ma­li­ges “Gour­met­do­mi­zil” von Star­koch Johann Lafer bekannt ist.

Die “Alte Strom­burg” ist in mehr­fa­cher Hin­sicht eine sehr bedeu­ten­de und inter­es­san­te Burg­an­la­ge, deren Ken­nen­ler­nen sich lohnt:

  • Wegen ihrer frü­hen Auf­las­sung gegen Ende des 12./ Anfang des 13. Jahr­hun­derts durch die Bur­gen­ver­la­ge­rung, geben die wie­der­her­ge­stell­ten Mau­er­res­te eine unver­än­der­te Burg der Sali­er- und frü­hen Stau­fer­zeit wieder!
  • Die Haupt­burg ist – typisch für den sali­er­zeit­li­chen Bur­gen­bau – aus einem ein­zi­gen Gebäu­de (“Fes­tes Haus”), aber mit enorm star­ken Mau­ern (bis zu 2,5 m) errich­tet. Mit einer bereits ein­ge­bau­ten (nicht auf­ge­setz­ten), zur Angriffs­sei­te aus­ge­rich­te­ten Spit­ze ist die alte Strom­burg unter den sali­er­zeit­li­chen Bur­gen bis­lang ohne Ver­gleich und zugleich eine der ältes­ten bekann­ten Bur­gen mit die­ser Wehrtechnik.
  • Die Burg­ka­pel­le mit ihrem qua­dra­ti­schen Lang­haus und den vier qua­dra­ti­schen Pfei­lern im Innern ist typo­lo­gisch der “Vier­pfei­ler-Dop­pel­ka­pel­le” zuzu­ord­nen, die vor allem an (Königs-/Kaiser-)Pfalzen oder Bischofs­sit­zen (z.B. Köln, Mainz, Trier) zu fin­den ist.
  • In der Kapel­le war ein auf­wen­di­ges Roset­ten­mo­sa­ik ver­legt, wel­ches heu­te im Strom­ber­ger Hei­mat­mu­se­um besich­tigt wer­den kann.

Wir Burg­pa­ten freu­en uns auf Ihren Besuch und der Teil­nah­me an einer unse­rer regel­mä­ßi­gen Füh­run­gen!

Son­der­füh­run­gen für Grup­pen sind auf Anfra­ge möglich.

Burgkapelle

Einleitung

In das nur 7 x 6,5 Meter gro­ße Kir­chen­schiff der Kapel­le der Alten Strom­burg sind 4 mas­si­ve qua­dra­ti­sche Säu­len mit einer Sei­ten­län­ge von je 0,7  Meter ein­ge­stellt. Als Stüt­ze für eine Geschoss­de­cke sind sie nicht not­wen­dig, wohl aber für die übli­che Auf­tei­lung der Flä­che in 9 Joche (Fel­der) einer typi­schen Vierstützen-Doppelkapelle!

Begriffserklärung: Vierstützen-Doppelkapelle

Ulrich Ste­vens beschreibt die Vier­stüt­zen­dop­pel­ka­pel­le wie folgt:

„Nach der Defi­ni­ti­on von O. Schü­rer ist eine Dop­pel­ka­pel­le eine räum­li­che Ein­heit von

  • über­ein­an­der­lie­gen­den Kapel­len­räu­men
  • mit eige­nen Altä­ren,
  • die sich um einen durch­ge­hen­den mitt­le­ren Raum­schacht gruppieren.

Die waa­ge­rech­te  Erstre­ckung  der Kapel­len­räu­me  und die lot­rech­te Ver­bin­dung zwi­schen ihnen, sind gleich­be­rech­tig­tenicht ein­an­der unter­ge­ord­ne­te Bestand­tei­le des Baues.

Die häu­figs­te Form der Dop­pel­ka­pel­le ist die Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le. Hier lie­gen zwei­qua­dra­ti­sche Räu­me über­ein­an­der, die durch vier im Qua­drat ste­hend Stütz­ten in neun Joche (=Fel­der) geteilt sind. Eine Öff­nung im mitt­le­ren Joch ver­bin­det bei­de Räu­me miteinander“.

Quel­le: Ulrich Ste­vens, Burg­ka­pel­len, Andacht Reprä­sen­ta­ti­on und Wehr­haf­tig­keit im Mit­tel­al­ter, 2003,  Sei­te 73 – 124. Zur Burg­ka­pel­le auf der Alten Strom­burg: Sei­te 88 – 91.

Ver­ein­facht dar­ge­stellt ist die Vier­stüt­ze-Dop­pel­ka­pel­le im Ide­al­fall ein wür­fel­för­mi­ges Gebäu­de, wel­ches durch eine Geschoss­de­cke in eine jeweils eigen­stän­di­ge unte­re und eine obe­re Kapel­le unter­teilt ist, wäh­rend die qua­dra­ti­sche Flä­che der Kapel­len durch vier Säu­len in neun Joche unter­teilt ist. Das mitt­le­re Joch ist dabei zur obe­ren Kapel­le hin offen und stellt somit eine räum­li­che Ver­bin­dung zwi­schen Ober- und Unter­ka­pel­le dar. Cha­rak­te­ris­tisch ist der schacht­ar­ti­ge Raum des mitt­le­ren Joches zwi­schen Ober- und Unter­ka­pel­le (sie­he Kapel­le der Kai­ser­burg in Eger und Nürnberg).

Die herr­schaft­li­che Aus­rich­tung der Dop­pel­ka­pel­le begrün­det sich haupt­säch­lich in der Tren­nung zwi­schen der obe­ren, der Herr­schaft vor­be­hal­te­nen Kapel­le (“Capel­la pri­vata”) und der unte­ren, den nie­de­ren Stän­den vor­ge­se­hen Kapel­le (“Capel­la publi­ca”). Ent­spre­chend war die Ober­ka­pel­le in der Regel auf­wen­di­ger gestal­tet als das meist nur kryp­ta­haf­te Untergeschoss.

Zu den Dop­pel­ka­pel­len bzw. Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­len gibt es in der Wis­sen­schaft vie­le Theo­rien bezüg­lich ihrer Bedeu­tung, der Vor­bil­der, oder wann sie zum ers­ten Mal vor­kom­men. Fest steht, dass der Bau­typ “Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le” im 11. und 12. Jahr­hun­dert für die Dar­stel­lung und Reprä­sen­ta­ti­on von Macht und Herr­schaft­lich­keit von beson­de­rer Bedeu­tung war. 

U. Ste­vens kommt zum Fazit:  Für mehr­ge­schos­si­ge Kapel­len auf Bur­gen “gilt jedoch, dass sie aus­schließ­lich reprä­sen­ta­ti­ven Bedeu­tung haben und der Selbst­dar­stel­lung ihrer Bau­her­ren die­nen. Das gilt beson­ders für die Bau­ten der unmit­tel­ba­ren  Aachen-Nach­fol­ger (=Pfalz­ka­pel­le Karl des Gro­ßen in Aachen) und für die Dop­pel­ka­pel­len,  die im 12. Jahr­hun­dert gera­de­zu als der Inbe­griff der Bau­auf­ga­be “Herr­scher­ka­pel­le” ange­se­hen wer­den kön­nen.

Bei­spie­le gut erhal­te­ner Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­len sind:

Kapel­le der Kai­ser­burg in Nürn­berg:

Kapel­le der Kai­ser­burg / Kai­ser­pfalz  in Eger

Gott­hard­ka­pel­le am Main­zer Dom

Die Kapelle der Alten Stromberg – eine Vierstützen-Doppelkapelle?

Zur bau­his­to­ri­schen Ein­ord­nung der Burg­ka­pel­le auf dem Pfarr­köpf­chen heißt es bei A. Pöschl (sie­he Quellen):

“Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­len, in deren Tra­di­ti­on die Kapel­le (der  Alten Strom­burg) durch die vier Stüt­zen (Säu­len) und die zen­tra­le Beto­nung durch das Roset­ten­mo­sa­ik zu sehen ist, ken­nen wir  seit dem 11. Jahr­hun­dert. Sie waren beson­ders im 12. Jahr­hun­dert  weit ver­brei­tet. Wenn  auch die Rekon­struk­ti­on als Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le auf dem Pfarr­köpf­chen unwahr­schein­lich ist, so ist die  Über­nah­me ein­zel­ner Ideen die­ses Typs dage­gen denk­bar, die dann eige­nen Bedürf­nis­sen ent­spre­chend wei­ter ent­wi­ckelt wurden.”

Das A. Pöschl die Ein­ord­nung der Burg­ka­pel­le als Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le als  “unwahr­schein­lich” ein­stuft, hat fol­gen­den Hintergrund:

Nimmt man die Grö­ße der nach Osten aus­ge­rich­te­ten halb­run­den Chor­ap­sis, so hät­te das  dahin­ter lie­gen­de Kir­chen­schiff  nach den Grö­ßen­ver­hält­nis­sen im beschrie­be­nen Ide­al­fall einer Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le min­des­tens 3,5 mal so groß, die Sei­ten statt ca. 8,6 Meter ca. 16 Meter Län­ge haben müs­sen. Die Säu­len müss­ten min­des­ten soweit aus­ein­an­der­ste­hen, wie die Apsis breit war, also statt nur  2 Meter 4,40 Meter! (sie­he Projektion)

Alte-Stromburg: Projection Kapelle
Alte-Strom­burg: Pro­jec­tion Kapelle

Damit ist das Pro­blem beschrie­ben: Für eine so gro­ße Kapel­le fehlt auf dem schma­len Berg­rü­cken des Pfarr­köp­chen der Bau­platz! Der Bau­herr war gezwun­gen das Kir­chen­schiff klei­ner zu bau­en als  die Grö­ße der Apsis eigent­lich vor­gab, mit der Fol­ge dass er eine Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le mit dem  übli­chen Bau­pro­gramm nicht errich­ten konn­te, son­dern davon abwei­chen musste:

Vari­an­te 1Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le mit Holz­de­cke im  Untergeschoß

Er ver­zich­te­te auf das auch für die Unter­ka­pel­le übli­che Kreuz­grat­ge­wöl­be zu Guns­ten einer fla­chen Holz­de­cke. Denn wegen des  gerin­ge­ren Säu­len­ab­stan­des gegen­über der Brei­te der Apsis, fan­den die Gurt­bö­gen des Grat­ge­wöl­bes zum Chor hin kei­ne Auf­la­ger. Sie muss­ten so hoch über dem Chor­bo­gen anset­zen, dass die unte­re Kapel­le mit Gewöl­be nach den Berech­nun­gen von J. Sus­e­wind (sie­he Quel­len) über 5 Meter hoch gewe­sen wäre und so die Kapel­le typen­fremd erhöht hät­te. (sie­he Pro­blem der Rekon­struk­ti­on einer Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le).

Die Fun­de der archäo­lo­gi­schen Aus­gra­bung las­sen die Ver­mu­tung zu, dass ein Kreuz­grat­ge­wöl­be vor­han­den war, wor­auf­hin auch die drei­fach gestuf­ten Lisen­en­bän­der (Lisen­en = Wand­vor­la­gen zur Glie­de­rung von Wand­flä­chen) in den Ecken deu­ten (sie­he Bei­spiel eines Grat­ge­wöl­bes). Ein Grat­ge­wöl­be aber kann für die Burg­ka­pel­le der Alten Strom­burg als Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le nur für die Ober­ka­pel­le rekon­stru­iert wer­den! Auch hier erhöht das Gewöl­be den Kir­chen­raum über das im Ide­al­fall übli­che Maß (sie­he Rekon­struk­ti­on mit Holz­de­cke im Unter­ge­schoss und Kreuz­grat­ge­wöl­be im Ober­ge­schoss). Aller­dings sind auch die Ober­ka­pel­len der Kai­ser­bur­gen in Nürn­berg und Eger deut­lich höher als die der jewei­li­gen Unter­ge­schos­se (sie­he Grund­riss Nürn­berg und Grund­riss Eger).

Vari­an­te 2Vier­stüt­zen-Empo­ren­ka­pel­le

Der Bau­herr ging noch einen Schritt wei­ter, und ver­zich­te­te auf eine eigen­stän­di­ge Kapel­le mit eigen­stän­di­gem Chor und eigen­stän­di­gem Kir­chen­raum im Ober­ge­schoss und begnüg­te sich mit einer Empo­re, die u‑förmig um das mitt­le­re Joch ange­ord­net war. Die drei öst­li­chen zum Chor hin aus­ge­rich­te­ten Joche waren dabei – wie das mitt­le­re Joch – nach oben hin offen, sodass die Pro­ble­ma­tik mit dem feh­len­den Auf­la­ger entfiel.

Aller­dings kann man hier nicht mehr von einer Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le spre­chenson­dern eher von einer Vier­stüt­zen-Empo­ren­ka­pel­le. Eine ver­gleich­ba­re Kapel­le eines sol­chen Typs gibt es  bis­lang nicht (sie­he Rekon­struk­ti­on als Vier­stüt­zen-Empo­ren­ka­pel­le).

Rekonstruktion als Vierstützen-Emporenkapelle
Rekon­struk­ti­on als Vierstützen-Emporenkapelle)

Fazit

Ob Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le oder Vier­stüt­zen-Empo­ren­ka­pel­le, ent­schei­dend war es für den Bau­herrn eine Kapel­le zu haben, die von sei­nen Zeit­ge­nos­sen als Herr­schafts­ka­pel­le  (nach der heu­ti­gen bau­ty­po­lo­gi­schen Ein­ord­nung einer Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le) wahr­ge­nom­men wurde.

 Dies woll­te er mit den vier Säu­len und mit den zwei Raum­ebe­nen der Kapel­le – gleich ob mit Holz­de­cke oder Empo­re – errei­chen (sie­he auch Ver­gleich Vier­stüt­zen-Dop­pel- /Emporenkapelle).

Alte Stromburg Vergleich
Alte Strom­burg Vergleich

Zudem kann man auch für die Kapel­le der Alten Strom­burg davon aus­ge­hen, dass die vier Säu­len min­des­tens unter­ein­an­der mit Rund­bö­gen ver­bun­den waren, und somit der typi­sche schacht­mä­ßi­ge Raum einer Vier­stüt­zen-Dop­pel­ka­pel­le über dem mitt­le­ren Joch vor­han­den war, wie in Mainz, Nürn­berg und Eger.

Kräutergarten

Als nächs­tes Pro­jekt ent­steht ein Kräu­ter­gar­ten mit aus­ge­wähl­ten Pflan­zen nach der Hei­li­gen Hil­de­gart von Bin­gen (12. Jh.).

Ausgrabung

Blick über das Welchbachtal auf die Ausgrabung der alten Stromburg
Die Burgkapelle an der alten Stromburg während der archäologischen Untersuchung
Bauphase III der alten Stromburg mit dem Trennmäuerchen in der Apsis und der Seitenschiffen.

Grabungsfunde

Rosettenmosaik aus der Burgkapelle, welches im Heimatmuseum Stromberg ausgestellt ist.
Gefundene Waffen bei der Ausgrabung an der alten Stromburg
Gefundene Waffen bei der Ausgrabung an der alten Stromburg, hier Armbrust.
Gefundene Münzen und sonstige Metallteile bei der Ausgrabung an der alten Stromburg.
Gefundene Mühlsteine bei der Ausgrabung an der alten Stromburg.
Gefundener Konsolstein bei der Ausgrabung an der alten Stromburg.
Gefundene Spielfiguren bei der Ausgrabung an der alten Stromburg.

Pläne

Grundriss der Burganlage

Grundriss der Burgkapelle und unteren Burgbereich

grau: obe­rer Burg­be­reich mit Haupt­burg (fes­tem Haus mit Spit­zen)
rot:    unte­rer Burg­be­reich mit Kapel­le und Wirtschaftsbereich